Hinter den Kulissen von
Tausendundeiner Nacht


Jenseits des großen Gartens

Aufzeichnungen aus dem Jemen



von
Sieglinde Sander


 

FRAUENALLTAG
IM MÄNNERLAND JEMEN


...auf die Frage, was sie sich in der Zukunft wünscht, weint sie beinahe: „da gibt es keine
Zukunft als Putzen, Waschen und Kochen in diesem Loch von einer Wohnung, bis zum Ende. Ich wäre schon glücklich, wenn ich mein Gesicht nicht verschleiern müsste.“

...bei einer Hochzeit darf man nicht an Geld sparen, das ist Ehrensache. Der zukünftige Ehemann zahlt ein Brautgeld, er erkauft sich sozusagen die Gebärfähigkeit der Frau...

...trotz der vielen Schleier war deutlich zu erkennen, dass die Braut stark weinte. Auf die Frage, warum das Mädchen so weint, bekam ich die Antwort: „Es ist gut und ehrenvoll, wenn die Braut weint, würde sie sich freuen und fröhlich sein, könnte man meinen sie freue sich auf die Hochzeitsnacht.

... beim Blick in die Krankenzimmer, verlor ich sehr schnell den Mut weiter nach meiner Freundin zu suchen. Auf den Betten saßen oder lagen die Frauen voll verschleiert, von Kopf bis Fuß, wegen der möglichen männlichen Besucher. Am Ausgang des Krankenhauses holten mich zwei schwarze Gestalten ein und wisperten: „Bist du Ärztin, bist du aus Deutschland, bitte wir brauchen Hilfe.“

ALLGEGENWÄRTIGE
DROGE QAT

..das auffallendste Merkmal jemenitischer Männer ist neben der Djambia, dem traditionellen Krummdolch, die stark angeschwollene Backe, sie kauen Qat. Bis zu siebzig Prozent der Männer und fünfundzwanzig Prozent der ebenso kauenden Frauen sind überzeugt, Qat ist ein Allheilmittel.

Einige Meinungen Qat kauender Männer: Soldaten in einer abgelegenen Gegend des Landes: „Wenn wir kein Qat hätten, könnten wir hier nicht überleben“
Ein junger Mann im Empfangszimmer eines Arztes meint: „ Der Prophet Mohamed hat das Qat nicht verboten, was sollen wir sonst machen, Arbeit gibt es keine, sollen wir stehlen gehen?“

Mahmoud ist Marktfahrer. Manchmal reicht das verdiente Geld eines Vormittages nur für seine Ration Qat, seine Frau und die drei Kinder müssen dann zur Nachbarin oder zur Großmutter zum Essen gehen.